Gemeinde Blankenheim

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Bahnhofsgebäude Blankenheim

Der Bahnhof Blankenheim (Eifel) war Teil der oberen Ahrtalbahn, die im Jahre 1913 eröffnet wurde und von Ahrdorf nach Blankenheim führte.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Blankenheim unterscheidet sich optisch sehr deutlich von den übrigen Gebäuden der umliegenden Bahnhöfe vergleichbarer Größe und Bedeutung.
Es ist ein verputzter, zweigeschossiger Bau, der unten mit Bruchsteinen abgesetzt ist. Besonders markant ist der turmartige Erker, der sich an der Gleisseite des Gebäudes befindet. Das Dach des Empfangsgebäudes ist mit Schiefer gedeckt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendete man Einheitsbaupläne und so findet man Gebäude mit dem Blankenheimer Basisbauplan in Stadtkyll (ehemalige Strecke Jünkerath - Weywertz), Kreuzberg (ehemalige Strecke Remagen - Adenau) und Dümpelfeld (ehemalige Strecke Dümpelfeld - Lissendorf - Jünkerath). An das Empfangsgebäude war ein Güterschuppen angebaut, dessen Größe in Abhängigkeit vom erwarteten Güterverkehr festgelegt wurde. Etwas abseits des Empfangsgebäudes befindet sich das ehemalige sogenannte „Abort-Gebäude“.

Für die Bauarbeiten an der 24,9 km langen Strecke war zunächst ein Kostenvolumen von rund 5,3 Millionen Mark veranschlagt. Während der Bauzeit von 01. April 1910 bis zur Eröffnung am 01. Mai 1913 war Blankenheim Sitz der königlichen Bauabteilung, die die Arbeiten leitete und beaufsichtigte. Während der Bauphase glich die Region einem Ameisenhaufen. 1911 und 1912 waren, wenn man den zeitgenössischen Berichten glauben darf, zeitweise über 5000 auswärtige Bahnarbeiter allein in der Bürgermeisterei Blankenheim beschäftigt. Die Berichte über die Menschen, die aus aller Herren Länder an die obere Ahr strömten, um beim Bahnbau zu helfen, ähneln denen aus anderen Regionen. In Reetz wohnten (bei zirka 230 Einwohnern) monatelang über 100 Holländer, Kroaten und Italiener. Der Reetzer Pfarrer Loeffelsend bemerkte dazu:
„Rauhe Menschen, gute Menschen, harte Arbeit, viel Verdienst, viel Spargroschen für die Angehörigen in der fernen Heimat, viel Durst, manche Unglücksfälle, manche Ungebührlichkeiten, manche Exzesse. Doch nun sind sie wieder verschwunden, die fremden Gesellen und es ist alles wieder in Ruhe und Frieden.“
Unterstützt wurden die Arbeiter durch moderne Dampfbagger, Presslufthämmer und die Sprengtrupps, die mit Dynamit den Weg durch die zum Teil sehr starken Felsformationen freimachten. Trotz einiger Schwierigkeiten durch Bergrutschungen etc. ging es gut voran und nach nur rund 3 Jahren Bauzeit war es soweit. Die neue Bahnstrecke konnte eröffnet werden. Die Kosten verteuerten sich letztlich durch Erdrutschungen und andere Probleme auf etwa 7,7 Millionen Mark.
Die Sonderausgabe der Blankenheimer Zeitung „Eifeler Nachrichten“ vom 26. April 1913 erlaubt uns einen Blick auf den Umfang der von der Königlichen Bauabteilung in Blankenheim geleiteten Bauarbeiten: 37 Wege-, Bahnunter- und -überführungen waren  erforderlich, 18 gewölbte Durchlässe, ca. 50 Röhrendurchlässe und Kaskaden. Über den Lampertsbach führt eine gewölbte Brücke, über die Ahr unterhalb des Bahnhofs Freilingen ein Viadukt, das aus vier Bögen von je 16 m Weite besteht. Auch über die Urft in der Nähe des Bahnhofs Blankenheim-Wald führte eine gewölbte, 10 m weite Brücke. Hinzu kamen drei Tunnelbauwerke, die bei Ahrdorf, Mülheim und Blankenheim durch den Eifeler Fels getrieben wurden. Insgesamt wurden 1,6 Millionen m³ Bodenmassen bewegt, 42.000 m³ Mauerwerk und 1.900 m³ Beton verbaut. Dazu verarbeitete man 3.210.000 kg Zement, 996.000 kg Trass und 38.000 m³ Bruchsteine zusätzlich zum Tunnelmauerwerk. Wie Dümpelfeld - Lissendorf - Jünkerath, so kam auch die Strecke Ahrdorf - Blankenheim ohne schienengleiche Bahnübergänge aus. Alle Straßen und Wege wurden entweder unter- oder überführt. Markant war die sogenannte Mülheimer Schleife, ein großer Gleisbogen, der erforderlich war, um allzu große Steigungen zu vermeiden. Interessant ist auch die Einmündung in den Bahnhof Blankenheim (Wald). Dazu überquerte man die Eifelbahn über eine Brücke, die übrigens heute noch vorhanden ist.

Die Betriebszeit der oberen Ahrtalbahn währte nur kurz. Der letzte Personenzug auf der Gesamtstrecke fuhr in der zweiten Hälfte des Jahres 1944. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörten deutsche Truppen viele Brückenbauwerke, sodass die Strecke zunächst unbefahrbar war. Wegen ihrer geringen Bedeutung wurden die Instandsetzungsarbeiten erst im Juni 1951 abgeschlossen. Kurz danach wird ein bescheidener Güterverkehr aufgenommen. Personenverkehr gibt es erst ab 1954 und auch nur auf dem Streckenabschnitt zwischen Mülheim (Eifel) und Blankenheim (Wald). Der übrige Personenverkehr wird bereits mit Bussen durchgeführt. 1961, noch nicht einmal 50 Jahre nach der Eröffnung, wird der Verkehr auf der oberen Ahrtalbahn endgültig eingestellt.

Der Abschnitt zwischen Blankenheim (Eifel) und Blankenheim (Wald) wird danach noch bis 1976 als Industriestammgleis geführt. Mit einer großartig inszenierten Abschiedsfahrt am 31.07.1976 ist auch damit Schluss. Die obere Ahrtalbahn ist Geschichte.
(Verfasser: Manfred Jehnen)

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